Liebe Kinder, liebe Eltern!

Die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern nennt man "Passionszeit". In dieser Zeit denken wir besonders an das Leben und das Leiden von Jesus Christus. Sieben Wochen sind das ungefähr! Damit euch die Zeit bis Ostern nicht zu lang wird, haben wir uns etwas für euch ausgedacht: eine spannende Geschichte, die sieben Kapitel hat. Annika Bischoff hat sie für euch aufgeschrieben. Jede Woche gibt es hier auf dieser Seite ein neues Kapitel zu lesen und anzuhören.

Felix und seine Oma wohnen in Faurndau. Felix besucht die 2. Klasse und geht einmal die Woche nach der Schule zur Oma, weil seine Mama an dem Tag arbeitet. Egal wie es Felix geht und was er erlebt hat - Oma weiß immer eine passende Geschichte aus der Bibel dazu...

Außerdem gibt es auch eine Seite mit sieben Rätselaufgaben, die ihr zu den jeweiligen Geschichten lösen dürft, und ein Lösungsblatt. Wenn ihr alles richtig beantwortet, kommt ihr auf unser Lösungswort:

Rätselaufgaben

Lösungsblatt

Viel Spaß beim Lesen, Hören und Rätseln wünscht euch euer

Kinderkirch-Team

Du gehörst dazu!

Heute ist Felix wieder einmal bei Oma. Es gibt Linsen und Spätzle, aber Felix stochert nur im Essen herum und ist sehr still. Sonst erzählt er Oma immer vom Tag und was er in der letzten Woche so alles erlebt hat. Die Oma schaut ihm eine Weile zu, dann fragt sie: „Sag mal Felix, was war denn heute los, magst du‘s mir erzählen?“ Felix nickt und erzählt. Er hat heute die Klassenarbeit in Religion zurückbekommen. Es ging um den barmherzigen Samariter. „Weißt du, das ist so ein blödes, schwieriges Wort. Ich hab ‚der gute Samariter‘ geschrieben, aber das zählt nicht. Und überhaupt ist die Geschichte doof. Wenn schon in der Bibel nicht jeder hilft, das ist doch doof!“

Oma gibt Felix recht. Es wäre viel besser, wenn jeder hilft. Aber den Samariter macht das zu jemand Besonderem, dass er barmherzig handelt und dem Verletzten hilft erklärt sie. „Und Gott wünscht sich, dass wir alle barmherzig sind.“

„Und wie sollen wir das Herzige sein? So viele Verletzte und Ausgeraubte liegen bei uns zu Glück ja nicht rum.“

Oma lacht „BARMherzig kann man auf vielen Ebenen sein. Komm, wir schauen uns den Brunnen vor der Stiftskirche mal genauer an. Da kannst du es sehen.

Felix und Oma laufen gemeinsam durchs Dorf. Felix mag es gerne, wenn er mit Oma spazieren geht. Sie erzählt dann oft tolle Geschichten aus der Bibel und wenn sie den Kirchturm sehen können bleiben sie immer stehen und Felix stellt sich vor, wie die Welt für den Hahn wohl aussieht. Heute will Oma ihm was am Brunnen vor der Kirche zeigen. Felix kennt ihn, da sind so komische Figuren drauf. Im Sommer kann man tolle Wasserspiele dort spielen.

Am Brunnen angekommen erklärt Oma: „Es gibt die 7 Werke der Barmherzigkeit, der Künstler hat sie hier alle dargestellt. Ich verrate dir, wie sie heißen und du suchst, wo am Brunnen sie dargestellt sind.“

Felix sucht und findet sie alle: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte kleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote bestatten. Aber irgendwie sind das komische Sachen, und als Kind kann man sowieso nur sein Essen abgeben, findet Felix. Und irgendwie macht es ihn traurig, dass das Barmherzigsein nur etwas für Erwachse sein soll. Doch Oma tröstet ihn: „Es gibt auch eine moderne Version davon. Und danach können alle handeln, egal wie alt sie sind. Letzte Woche hast du mir doch von Faiza erzählt. Du hast ihr beim Laufdiktat geholfen und dann mit ihr gespielt. Damit hast du ihr gezeigt: Du gehörst dazu. Und das ist etwas ganz Wichtiges! Jesus hat das ganz viele Menschen erleben lassen. Auch wenn manche gar nicht daran gedacht hätten, für Jesus dazu zu gehören. Besonders intensiv durften das seine Jünger erleben. Weißt du, wie es dazu kam, dass die 12 Männer mit Jesus gezogen sind?“

Felix schüttelt den Kopf und freut sich. Endlich kommt eine Geschichte. Oma erzählt:

„Eines Tages predigte Jesus am See Genezareth. Es waren so viele gekommen, dass die, die weiter hinten standen, Jesus nicht sehen und auch nur schlecht hören konnten. Jesus wollte aber, dass alle zuhören konnten. Da er direkt am Seeufer stand gab es keinen Berg oder Felsen, auf den er sich wie auf eine Kanzel hätte stellen können. Nur zwei Fischerboote lagen am Ufer und die Fischer waren damit beschäftigt, ihre Netze zu Waschen und zu flicken. Sie haben Jesus gar nicht wirklich wahrgenommen. Die ganze Nacht hatten sie nämlich gefischt und nicht einen Fisch gefangen. Wenn man als Fischer nicht genug Fisch fängt, dann hat man kein Einkommen.  Wenn man aber gar keinen fängt, wird man nicht einmal satt. Und das machte den Fischern Sorge. Der Fischer Simon Petrus war sehr überrascht, als Jesus ihn plötzlich ansprach und darum bat, ihn auf den See hinaus zu fahren. Aber er tat es. Und Jesus predigte vom Boot aus und alle Menschen konnten ihn sehen und hören. Simon Petrus war fasziniert von dem, was Jesus zu sagen hatte. Aber das wirklich ungewöhnliche kam erst noch. Als Jesus fertig war mit seiner Predigt, da schickte er die Fischer ohne ihn raus auf den See. Zur tiefsten Stelle sollten sie fahren und ihre Netze auswerfen. Die Fischer gehorchten, wussten aber selbst nicht genau, wieso. Eigentlich war es totaler Quatsch. Am helllichten Tag fängt man noch weniger als in der Nacht. Das lernt man schon als kleiner Junge. Und trotzdem vertraute Simon Petrus Jesus. Er fuhr mit seinem Fischerkollegen raus und innerhalb kürzester Zeit waren ihre Netze so voll, dass sie beinahe zerrissen. Es wurde wirklich gefährlich und das zweite Fischerboot kam schnell zu Hilfe und gemeinsam schafften sie es, den größten Fang ihres Lebens an Land zu bringen. Simon Petrus spürte, da steht jemand ganz besonderes vor ihm und er durfte gerade erfahren, wie großartig Gott ist. Es war ihm unerklärlich, warum gerade ihm dieses Glück zu Teil wurde und er fiel vor Jesus auf den Boden und sagte: Herr, Geh weg von mir, ich bin das gar nicht wert, ich bin gar kein so guter Mensch! Doch Jesus beruhigte ihn und lud ihn ein, mit ihm zu gehen. Du brauchst dich nicht zu fürchten, du wirst jetzt Menschen fangen! hat er zu Petrus gesagt. Und da ist ihm nicht nur Simon Petrus gefolgt, sondern auch noch die beiden anderen Fischer, Johannes und Jakobus. Einfach so, weil sie gespürt haben, dass es ihr Leben verändern wird und es sich lohnt, Jesus nachzufolgen.“

Felix ist baff. „Sowas cooles wie mit den Fischen kann aber nur Jesus. Wie sollen wir da mithalten können?“

Oma lächelt Felix an. „Darum geht es nicht. Es geht darum, dass Jesus jedem eine Chance gibt und einlädt, ihm zu folgen. Heute machen wir Christen das, wenn wir an ihn glauben und uns bemühen, gute Menschen zu sein und seine Gebote zu befolgen. „Sei barmherzig“ ist eines davon. Und das erfüllst du schon, wenn du jemandem zeigst: Du gehörst dazu!“ Felix staunt, was Oma alles weiß. Und sie kann es auch viel besser erklären als die Lehrerin findet er.

Inzwischen sind sie wieder zu Hause und Oma hat Saft und Gläser in den Garten geholt. „Ich finde das mit dem barmherzig sein für heute eigentlich super, Oma. Wenn es sowas einfaches ist, wie jemand mitspielen zu lassen, dann muss man sich ja nicht mal dafür anstrengen.“

Oma lacht. „Ja, manchmal ist es ganz leicht.“ und schenkt Felix ein Apfelschorle ein.

 

Rätselaufgabe für diese Woche:

Geht zum Brunnen der Barmherzigkeit vor der Stiftskirche. Welches Werk ist auf dem Bild zu sehen?

Ich höre dir zu!

Felix zappelt auf seinem Stuhl. Seine Wurstknöpfle hat er schon aufgegessen, jetzt will er Oma unbedingt etwas erzählen. Aber Oma telefoniert mit Leni, der Nachbarin aus der Wohnung nebenan. Felix hält es nicht mehr aus, er zupft an Omas Ärmel. „Bitte Oma, hör mir auch zu!“ Doch Oma legt den Finger auf den Mund und Felix ist ruhig. Endlich ist das Telefonat beendet.

„Hast du jetzt Zeit? Ich muss dir was gaaanz wichtiges erzählen!“ Oma nickt, es tut ihr Leid, dass sie heute so abgelenkt ist. „Klar hab ich Zeit, aber Leni hat auch jemand zum Zuhören gebraucht. Erzähl nur!“ Felix beginnt, vom Fußball zu erzählen. Endlich darf er hin! Doch Oma brummt nur „oh toll“ und trägt die Teller in die Küche. Und dann klingelt es auch noch! Leni steht vor der Türe, sie braucht dringend Zucker und Eier.

Sie will später auch zwei Stück Zwetschgenkuchen vorbei bringen. ENDLICH IST SIE WEG! Felix erzählt lauter, aber Oma kritzelt nur etwas auf ihren Einkaufszettel. „Oma, darf ich mir die Stollenschuhe von dir wünschen?“ „Gleich“ antwortet Oma und legt den Geldbeutel in den Einkaufskorb. Felix heult fast und schreit Oma in den Flur hinterher: „Du hörst mir gar nicht zu, aber ich will dir was erzählen, es ist ganz wichtig für mich!“

Da stellt Oma den Korb wieder ab und nimmt Felix in den Arm. "Es tut mir leid, dass ich dir nicht richtig zugehört hab, mein kleiner Bartimäus.“

„Wer bin ich? Gibts dazu auch eine Geschichte?“ Felix ist froh, dass Oma ihn nicht schimpft. Er weiß ja, dass er nicht herumschreien soll, weil im Haus noch andere wohnen. Oma grinst und nickt. „Bartimäus war blind. Er saß die meiste Zeit bettelnd am Straßenrand, weil er ja kein Geld verdienen konnte. Er lebte in einer kleinen Stadt in der Nähe von Jericho. Es gab nicht viel, das ihn glücklich machte, er hörte meistens einfach den Menschen zu, die vorbei gingen. Er dachte viel über das nach, was er so hörte. In letzter Zeit unterhielten sich die Menschen über eine, der Jesus hieß und der ganz offenbar Dinge im Namen Gottes tat, die sonst keiner schaffte. Aber was geht es mich an, ich bin ja doch an diesen Ort gebunden und kann nicht weiter, als wie ich auch ohne sehen zu können wieder zurück finde. So war fast jeder Tag gleich für Bartimäus. Still saß er am Straßenrand.

Doch an einem Tag war viel mehr los als gewöhnlich. Und die Menschen waren hektisch unterwegs. Bartimäus hörte, dass sie alle in Richtung Marktplatz unterwegs waren. Er hielt einen Mann am Gewand fest, der beinahe über ihn gestiefelt wäre. Er wollte unbedingt wissen, was los war. „Lass mich, du Krüppel“ schimpfte der Mann. „Jesus von Nazareth ist nur ein paar Meter vor mir, ich will da hin!“ Bartimäus spürte tief in sich eine Hoffnung, die er noch nie gespürt hatte. Und er hat nach Jesus gerufen. Die Leute wollten, dass er still sein, damit sie selbst besser hören könnten. Aber Bartimäus wurde immer lauter und lauter.

„Jesus von Nazareth, hilf mir! Jesus, hier bin ich! Erbarm dich meiner, du Sohn Gottes!“ Bartimäus schrie, dass ihm schon der Hals weh tat. Und dann passierte es, Jesus hörte ihn. Mehr noch, er ließ Bartimäus zu sich führen. Dem war schon ganz schlecht vor Aufregung. Was würde passieren? Wäre Jesus sauer, weil er gestört worden war? Nein, Jesus interessierte sich für Bartimäus und wollte wissen, warum Bartimäus nach ihm gerufen hatte. „Ich möchte sehen können!“ antwortete Bartimäus. Jesus hat sich über das Vertrauen und den Glauben von Bartimäus sehr gefreut.

Und deshalb sagte er: „Dein Glaube hat dich geheilt, du kannst sehen.“ Und genau so war es. Bartimäus konnte sehen und dankte Gott aus ganzem Herzen. Und auch alle Menschen um ihn herum priesen Gott. Und keiner ärgerte sich mehr darüber, dass Bartimäus so laut gewesen war.“

„Also manchmal muss man laut sein, damit einem jemand zuhört?“ Fragt Felix am Ende. „Manchmal hilft es tatsächlich. Aber eigentlich sollte es nicht nötig sein. Eigentlich sollte ich dir immer zuhören, wenn du es brauchst.“ Oma holt die Albertle aus dem oberen Küchenschrank. „Hat zuhören auch was mit dem zu tun, was du mir letzte Woche erzählt hast?“ will Felix wissen.

„Ja, „Ich höre Dir zu“ ist auch ein Werk der Barmherzigkeit. Heute hab ich das erst geschafft, als du schreien musstest. Manchmal ist zuhören richtig schwierig.“ Oma sieht ein bisschen traurig aus. Das hat Felix nicht gewollt. Er versucht sie zu trösten: „Aber du warst ja davor schon sehr barmherzig. Leni so lange zuzuhören ist auch schwierig auszuhalten. Ich bin einmal zu spät heim gekommen, weil sie mir so viele Sachen erzählt hat.“ Jetzt lacht Oma. Und dann klingelt es zum zweiten Mal. Leni bringt den versprochenen Kuchen und bedankt sich für das Gespräch von vorhin, es habe ihr sehr gut getan, meint sie. Felix schmatzt zufrieden, als er seinen Zwetschgenkuchen isst. „heute hat es sich echt gelohnt, dass du barmherzig warst, Oma!“ Oma grinst. „Ja, das hat es. Auch wenn man nicht immer Kuchen dafür kriegt!“

 

Rätselaufgabe für diese Woche:

Geht zum evangelischen Gemeindehaus. Wie viele Glasscheiben könnt ihr am Kindergarten von der Straße aus zählen?